Tyrannei der Drachen

Grünnest in Flammen

Grünnest brannte. Der Ball der untergehenden Sonne wurde durch aufsteigende Rauchwolken aus dem Dorf teilweise verdeckt und tauchte sie Szenerie in ein unheimliches rotes Licht. In Rorgans Augen standen Tränen, als sich die Szenerie vor ihm mit jenen aus seiner Erinnerung vermischte. Zwerge rannten schreiend durch die von Rauch erfüllten Straßen. Von allen Seiten war Kampfeslärm zu hören, der sogar das laute Prasseln der Flammen übertönte. Irgendwo in diesem Inferno waren seine Frau und seine Tochter verborgen – und der riesige Behir, den die Angreifer aus seinem Nest in den Kavernen unter der Stadt getrieben hatten…
„Seht, da läuft eine Frau! Und sie wird von Kobolden verfolgt!“, riss ihn Mecretias Stimme aus seinen Erinnerungen. Was blieb war der Anblick der immer noch brennenden Gebäude von Grünnest und das Abbild einer Familie vor den Flammen, die versuchte vor ihren Angreifern zu flüchten.

Rorgan fasste seinen Streithammer fester. Er war nicht durch halb Faerun gereist, nur um noch einmal zu sehen, wie Unschuldige vor seinen Augen abgeschlachtet wurden. Ohne lange zu zögern lief er los. Langsam zuerst, behindert durch die schwere Rüstung, doch dann durch den Schwung immer schneller werdend. Die Tieflingsfrau Mecretia blieb dabei an seiner Seite. Von den anderen beiden Mitreisenden war jedoch keine Spur zu sehen. Doch da: Aus den Augenwinkeln nahm Rorgan war, wie der zwielichtige Mensch die verklärte Gnomin sich in eine nahe Baumreihe verdrückten. Da sah man es wieder. Weder auf die kurzlebigen Menschen noch auf die verrückten Gnome war Verlass.

Mit wildem Gebrüll stieß er in die Reihen der Kobolde, welche von zwei maskierten Drachenkultisten begleitet wurden. Warum waren es immer fanatische Kultisten, welche das Unheil über andere hereinbrachten? Schläge wurden ausgeteilt und eingesteckt. Die Frau der Familie, die sie retten wollten, erwies sich dabei als außerordentlich Kampffertig und schaffte es problemlos mehrere der Gegner in Schach zu halten, während sich ihr Mann mit den beiden Kindern hinter ihr versteckte. Ein Prachtweib, zu schade, dass sie keinen Bart hatte. Was die zu rettende Frau aus Grünnest an Kampffähigkeiten mitbrachte, das ließ Mecretia missen. Rasch wurde sie von den Kobolden überrumpelt und ging zu Boden. „War schön, dich gekannt zu haben“, dachte Rorgan noch bei sich, als aus einer nahen Hecke Liu, der eigenartige Mönch hervorgeschossen kam und mit einem aberwitzigen Fußkick den Schädel von einem Kobold beförderte. Ein weiterer wurde durch den gut gezielten Schuss von Ellywick aus der materiellen Ebene befördert. Vielleicht war auf die beiden doch mehr Verlass!

Gemeinsam schafften sie es relativ schnell alle Angreifer auszuschalten und Rorgan hatte Zeit sich um Mecretia zu kümmern. Ein rascher Blick zeigte ihm, dass er hier mit einfachen Bandagen und Kräutern nicht weit kommen würde und so schloss er die schwerwiegendsten Wunden mit der Kraft, die Helm ihm verliehen hatte, womit er die Tieflingsfrau wieder auf die Beine brachten. Inzwischen hatte sich die tapfere Dorfbewohnerin als Linan und ihren Mann als Kut vor. Gemeinsam mit ihnen eilte die kleine Gruppe ins Zentrum von Grünnest, wo sich der Bergfried befand, in den sich bereits die restliche Bevölkerung zurückgezogen hatte. Unterwegs musste sich Rorgan noch Vorwürfe von Ellywick anhören: „Das nächste Mal nicht einfach drauflos stürmen, sondern vorher nachdenken!“ Doch Rorgan musterte die kleine Gnomin nur abfällig: „Habt Ihr je in einer Armee gedient? Nein? In einer Miliz? Auch nicht. Dann seid still…“

Das Tor zum Bergfried war noch offen, wurde aber bereits von Kultisten angegriffen und nur knapp gelang es der Gruppe noch in das Innere zu schlüpfen bevor das Tor verschlossen und verrammelt wurde. Erstaunte Gesichter betrachteten sie und ein Mann in edlen Gewändern und fliehender Stirn kam auf sie zu, nachdem er kurz einige Worte mit Linan gewechselt hatte: „Abenteurer, euch haben die Götter geschickt!“, begann er. Rorgan schüttelte den Kopf und erwiderte trocken: „Nein, nur einer: Helm.“

Etwas irritiert sprach der Mann weiter: „Mein Name ist Tarbaw Nachthügel, ich bin der Bürgermeister von Grünnest. Und ich kann euch gar nicht genug dafür danken, dass ihr euch ohne zu zögern für die Bewohner des Dorfes in den Kampf geworfen habt. Dabei wissen wir noch nicht einmal, was diese Kultisten von unserem Dorf wollen könnten. Sicherlich: Grünnest ist dank seiner Lage nicht ganz arm, aber warum sie uns deswegen mit einem ausgewachsenen Drachen angreifen sollten…“

„Sagtet ihr Drache?“, entfuhr es Ellywick, woraufhin der Bürgermeister nickte und Rorgan ein „Keiner von uns wird diese Nacht überstehen“, in seinen Bart murmelte.

„Aber er verhält sich eigenartig und sehr zurückhaltend“, fügte Tarbaw noch hinzu. „Ich weiß, es ist viel von euch verlangt und außer einigen Heiltränken um eure Wunden zu versorgen kann ich euch nur wenig anbieten, aber könntet ihr mir und dem Dorf einen weiteren Gefallen tun? Weitere Bewohner haben es nicht in den Turm geschafft und sich in den Tempel der Chauntea zurückgezogen, der sich am östlichen Ende des Dorfes befindet.“
Ohne lange nachzudenken nickten alle vier und unter der Führung des Kastellans Escobert dem Roten – einem, in Rorgans Augen, äußerst vertrauenserweckenden und kompetenten Zwerg – betraten sie einen Geheimgang, der unterirdisch aus der Burg bis zum Fluss im Süden des Dorfes führte. Dank der schlechten menschlichen Augen von Liu mussten sie eine Fackel anzünden – wie schwach sie doch waren, diese Menschen…

Kurz vor dem Ausgang des Geheimganges stießen sie noch auf eine ganze Horde von Ratten. Kurz bat Ellywick die anderen zu warten und sprach die doch recht aggressiv wirkenden Ratten in ihrer Sprache an um mit ihnen um eine freie Passage zu verhandeln. Doch das gelang nicht so ganz, weshalb kurz darauf hunderte tote Ratten den Boden des Geheimgangs bedeckten.

Rorgan brach das alte, verrostete Gittertor auf und dann huschte die Gruppe, geschützt durch Illusionsmagie der Gnomin, am Flussufer entlang, an einer Patrouille des Kultes vorbei, in Richtung der Kirche. Hier allerdings stauten sich die Probleme. Wie eine kure Erkundung durch Ellywick ergab, gab es gleich drei Gruppen von Kultisten und Kobolden, welche die Kirche belagerten. Eine versuchte den Vordereingang mit einem Rammbock zu öffnen, eine weitere den Hintereingang auzuräuchern und eine dritte kreiste rastlos aber ohne Hektik um das Gebäude – die letzte Gruppe hatte auch zwei drachenartige Haustiere bei sich. Nichts womit sich die Gruppe anlegen wollte.

So wurde kurzerhand der Trupp an der Hintertür im Schutz des Rauches angegriffen. Wieder floss viel Blut auf beiden Seiten, nur damit die vier Abenteurer am Ende des Kampfes feststellen mussten, dass die Tür von innen verriegelt war. Alles Gute einreden auf die dahinter eingeschlossenen Bewohner half nichts; auch nicht als Rorgan drohte „Macht die Tür auf, oder wir räuchern euch dummes Pack aus“. Kurzerhand sprang daher Liu akkrobatisch durch das hoch gelegene, geschlossene Buntglasfenster, marschierte an den geschockten Bewohnern vorbei und öffnete die Tür. Rasch wurden von den drei anderen die Leichen des Trupps nach innen geschliffen und die Tür wieder verschlossen.

„Wer seid ihr?“, drängte sich ein hochnäsig aussehender Halbelf nach vorne. Nachdem sich die Abenteurer als Retter von Grünnest vorgestellt hatten, stelle auch er sich als Etion Falkenmond, oberster Priester des Tempels vor. Nachdem diese Förmlichkeiten geregelt worden waren, nutzte man die sich nächste bietende Gelegenheit und floh als Gruppe hinab zum Fluss und dann weiter über den Geheimgang zurück in die Burg.
Kaum zurück im kleinen Hof des Bergfrieds musste Rorgan seine Meinung bezüglich der großartigen Verteidigung, geplant und koordiniert durch den zwergischen Castellan, wieder revidieren. Die Kultisten hatten es irgendwie geschafft eine kleine Ausfalltür aufzubrechen und standen nun mitten im Burghof. Nur unter großen Verlusten gelang es den Verteidigern, angeführt von den vier Abenteurern, die Kultisten und ihre Drachenhaustiere wieder aus dem Hof zu jagen.

Doch noch immer war die Nacht nicht vorbei – eine Nacht, von der Rorgan immer mehr annahm, dass sie keiner von ihnen überleben würde. Die Nacht ähnelte einfach viel zu sehr ebenjener Nacht, in der Tahl in Flammen aufgegangen war. Und auch damals hatte fast niemand überlebt. Als dann auch noch der blaue Drache zu einem Angriff auf die Burg ansetzte war klar, dass das Ende gekommen war. Drachen, Behire, gegen beide hatten nur die legendären Helden aus den alten Geschichten eine Chance – aber keine zufällig zusammengewürfelte Gruppe an Reisenden. Blitze speiend und ganze Reihen von Verteidigern des Dorfes fällend, fräste sich der Drache daher auch durch die Überlebenden auf den Zinnen.

blue-dragon-in-greenest.jpg
Doch Rorgan wäre kein Zwerg, wenn er trotz der Aussicht bald zu sterben, nicht trotzdem gekämpft hätte. Und auch seine Kameraden hatten stures Zwergenblut in sich und ließen sich nicht unterkriegen. Mit Magie, den riesigen Bolzen der Dachbaliste und Pfeilen setzten sie dem Drachen zu, bis dieser schließlich genug zu haben schien und beleidig abzog. Überrascht von der plötzlichen Wende sahen sie dem verschwindenden Untier hinterher, welches in Richtung der aufgehenden Sonne verschwand. Gab es vielleicht doch noch eine Chance diese Nacht zu überleben?

View
Ein narrensicherer Plan

Rorgan wand sich in seinen Fesseln, gab aber relativ schnell wieder auf, als er einsah, wie sinnlos der Versuch war, sich daraus zu befreien. Naja, der Tag hatte ja schon schlecht angefangen. Sich gleich am frühen Morgen von einem aufgeblasenen Halbdrachen fast den Schädel spalten zu lassen war nun wirklch keine Art und Weise, wie man einen erfolgversprechenden Tag begann.

Aber von da an war es eigentlich nur abwärts gegangen. Nunja, nicht ganz. Immerhin hatten sie den Mönch gefunden, nachdem Liu so verweifelt gesucht hatte. Rorgan wandte den Kopf nach rechts und nickte dem geschundenen Mann, der gefesselt an einem Pfahl neben ihm stand, aufmunternd zu – auch wenn er selbst auch etwas Aufmunterung hätte gebrauchen hätte können.

Das alles war einfach die Schuld von dieser unfähigen Gnomin. Wäre sie nach dem Ausspähen des Lagers der Kultisten zurückgekehrt um Meldung zu machen – so wie es jeder Anfänger in der Armee am ersten Tag lernte! – dann hätte sich Rorgan nicht auf die Suche nach ihr machen müssen, um schlussendlich als grießgrämiger Pfahlverschönerer zu enden. Aber das war noch nichtmal das ganze Problem. Der einzigen Person, der er zutraute ihn aus dieser Situation zu holen war nun einmal Mec. Er drehte den Kopf nach links und nickte der gefesselten Tieflingsfrau auf dieser Seite zu. Womit auch diese Lösung der Misere nicht gegeben war.

Rorgan seufzte wieder. Ja, der Tag war wirklich schief gegangen. Es konnte nur mehr besser werden… Ein Flüstern hinter ihm riss ihn aus seinen mürrischen Gedanken: “Psst, Rorgan, wir sind’s”, erklang Ellys Stimme aus einem nahen Gebüsch. “Wir haben einen Plan euch zu befreien.”

Rorgan verdrehte die Augen. Befreien? Wie denn? Sie standen inmitten eines Lagers aus hunderten Kultisten, voller geifernder Kobolde und gieriger Söldner und in einer der Höhlen in den nahen Klippen wurden verdammte Dracheneier ausgebrütet! Wie wollte die Gnomin und Liu sie da befreien kommen?

“Wir haben einen Narrensicheren Plan!”, fuhr Elly begeisternd flüsternd vor. “Einen Hamsterplan!”

Roragn stöhnte auf, wandte den Blick gen Himmel und flüsterte: “Bitte Helm, lass mein Ende schnell und schmerzlos sein.”

View
Die Rückkehr der Gemeinschaft des nicht näher bekannten Drachenartefakts zu den zwei Champions des Guten

Leosins Blick flackerte von der Gnomin, die mit ernster Miene vor ihn stand, zu seinem Freund Ontarr herüber und wieder zurück. „Wie bitte was? Ihr seid wer nochmal?“ Ellywick schlug erneut dramatisch ihren Umhang zurück: „Ich bin die Gnomin die verheißen wurde, traut euren Augen Leosin, denn die Prophezeiung, die ihr und Ontarr so lange gehütet habt, ist wahr geworden!“ Leosins Augen nahmen einen fast schon flehenden Ausdruck an als er sich Ontarr zuwandte, der peinlich berührt Luftlöcher starrte. „Äh Ontarr, alter Freund, helft mir da, hüten wir irgendeine Art von äh Prophezeiung, von der ich nichts weiß?“ Ontarr sah aus, als ob er lieber ganz woanders wäre, zuckte hilflos mit den Schultern und platze mit gekünstelter Überraschung heraus: „Oh ich glaube, ich vergaß mein treues Pferd mit Stroh abzureiben und die Stallburschen sind so inkompetent, ich werde selbst danach sehen!“ Schnellen Schrittes eilte er von dannen, während Leosin ihm etwas hinterherzischte, das wie „feiger Verräter!“ klang. Dann setzte er wieder sein bestes Diplomatengesicht auf und wandte sich zurück an Ellywick: „Vielleicht sollten wir zuerst, äh, gemeinsam Speisen und dann, äh, könne wir immer noch…“ Die Gnomin legte unvermittelt beruhigend die Hand auf seinen Arm, neigte den Kopf kurz und auffällig unauffällig in Richtung des Tieflings hinter ihr und zwinkerte dem Mönch verschwörerisch zu: „Ich verstehe was ihr empfindet, seid unbesorgt, es wird noch eine Gelegenheit kommen, bei der wir offen sprechen können…“ Leosin wischte sich den Schweiß von der Stirn, seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen schien er zu hoffen, sehr weit weg zu sein, sollte diese „Gelegenheit“ wirklich einmal kommen…
-——————————————
Getreuer und höchst wahrheitlicher Report von Ellywick Timbers, all so wie sich das Geschehen tatsächlich zutrug, ohne Falsch und Trug.
Unbekannter Leser wisse dies, da ich diese Worte schreibe kreuze ich auf einem Boot den Chiontar hinab, die leisen klagenden Klänge meiner Panflöten schweben über den Wassern und treiben davon in den morgendlichen Nebel. Ein Nebel dicht, wie die Netze des Schicksals, die sich immer dichter um mich zusammenziehen wie eine erstickende Decke.
Der Drachenkult liegt zerschmettert, sein geheimes Hauptquartier in Trümmern, die wichtigsten Anführer gefallen und seine Lakaien fliehen in alle Himmelsrichtungen wie Blätter vor dem Winde. Doch noch ist der Kampf nicht gewonnen und so eilten wir nach Norden, nach Elturel, wo die Helden des Guten zu der schicksalhaften Versammlung gerufen haben, die über die Zukunft der Schwertküste, ja der ganzen Welt entscheiden würde. Unauslöschlich haben sich die erschütterten Minen von Ontarr Frume und Leosin Erlanthar in mein Gedächtnis gebrannt. Lange haben sie die geheime Prophezeiung gehütet, wohl in der Hoffnung, dass die Apokalypse sich nicht zu ihren Lebzeiten ereignen würde. Ich musste diese Hoffnung zerschlagen, indem ich mich ihnen als die Gnomin, die verheißen wurde, offenbarte! Eine bedrückende Stille legte sich sogleich über unsere kleine Versammlung und ahnungsvolle Blicke wurden ausgetauscht, doch die beiden Champions des Guten wagten nicht weitere Worte zu sprechen. Was hatte ihnen die Stimme verschlagen? Trauten sie meinen Gefährten nicht? Fürchteten sie wohl, dass der Tiefling uns am Ende verraten könnte? Selten sah ich solche Bestürztheit! So wagte ich denn auch nicht meine mittlerweile zur Gewissheit gewordene geheime Vermutung über das eigentliche Ziel des Drachenkultes zu äußern. Mitnichten transportiert die Karawane einfach nur geraubtes Gold, dieses dient nur der Tarnung und der eigentliche Schatz ist ein Artefakt, dass die Essenz Tiamats enthält! Wir müssen dieses Artefakt an uns bringen und es dann vernichten, indem wir an das Ende der Welt reisen, um es in den Vulkan zu werfen, in dessen Feuern es einst geschmiedet wurde! Doch wer aus unserer Gruppe könnte der Träger des Artefakts werden? Sicher gehen verderbliche Einflüsse von ihm aus, die jeden korrumpieren könnte! Eine wahrhaft schreckliche Vorstellung, wenn eine Heldin mit meinen Kräften vom Geiste Tiamats besessen wäre. Wer also könnte der Träger sein? Am besten geeignet wäre wohl der naive Mönch, sein kindliches Gemüt könnte in der Lage sein ihn lange genug zu schützen. Welche Ironie, dass nur ein sorgenfreier Narr wie er dieser Aufgabe gewachsen wäre!

-——————————————
Brief des Magisters Gorn Maarin an Ellywick Timbers.
Hochgeehrte Dame „T.“,
als für die Buchstaben R bis W zuständiger Lektor für unsere klassische Reihe „Wahrheitsgemäße Reiseberichte hochanständiger und vertrauenswürdiger Abenteurergesellen der Schwertküste“ freue ich mich über das von Ihnen entgegengebrachte Vertrauen und werde Ihr Manuskript mit der nötigen Sorgfalt und Diskretion prüfen und ihnen dann einen Vorschlag für eine etwaige Veröffentlichung im Verlag der Kerzenburg unterbreiten. Da wir einen großen Andrang erleben und jeder Einreichung die nötige Beachtung zukommen lassen wollen, kann dieser Prozess einige Zeit in Anspruch nehmen. Bitte sehen Sie von weiteren Anfragen ab, wir melden uns bei Zeiten.
Hochachtungsvoll ihr,
Gorn Maarin, Kerzenburg – 1489 TZ

-——————————————
Die Magister – Eine Komödie. Erster Akt. Erste Szene.
Das Turmzimmer des Magister Jorum Tollkühn in der Kerzenburg. Es ist spät, wohl nach Mitternacht, der Magister findet keinen Schlaf und erhält überraschenden Besuch.
(Eintritt Magister Maarin.)
„Ah hochverehrter Magister Tollkühn, so spät noch bei der Arbeit. Wie ich sehe habt Ihr wieder im Altpapier gefischt, jenes talentlose Geschmiere, das dort auf eurem Tisch liegt, kommt mir bekannt vor. Sagt bitte nicht, dass ihr ernsthaft beabsichtigt, dies zu veröffentlichen. Ich habe es nicht ohne Grund bereits nach der dritten Seite in den Müll befördert!“
„Mitnichten oh geschätzter Magister Maarin, Ihr lagt ganz richtig mit dieser Entscheidung. Die Qualität der Einreichungen lässt doch mehr und mehr zu wünschen übrig. Die Tatsachenberichte sind zunehmend langweilig und repetitiv und die Fiktionen glänzen durch vollständige Talentfreiheit der Autoren. Bei dem Traktat der Dame „T.“ kann es sich niemals um tatsächliche Begebenheiten handeln, also war es Ausdruck eurer Weisheit es dem Altpapier zuzuführen. Ich allerdings suche Inspiration an den unwahrscheinlichsten Orten und einiges aus diesem Pamphlet ließe sich sicherlich noch verwerten, als Steinbruch der Ideen, wie ich es zu nennen Pflege.“
„Sagt nur Ihr Schreibt an einem eigenen Epos! Ist dies gar der eigentlich Grund eurer mitternächtlichen Arbeit?“
„Ihr habt es erkannt, es ist die Wahrheit!“
„So seid nicht so scheu und zeigt was ihr ersonnen habt!“

(Nimmt das Manuskript des Magisters Tollkühn zur Hand.)
„Ah ich sehe es wohl, eine Gnomin als prophezeite Heldin war euch gar zu lächerlich!“
„Richtig! Es ist albern und verfehlt die Zielgruppe gänzlich, ich werde sie durch einen, auf raue Weise gut aussehenden, menschlichen Waldläufer mit Dreitagebart ersetzen. Auch mit einem Tiefling als großen Verräter konnte ich mich nicht anfreunden, es ist zu offensichtlich, der Leser röche die Lunte bereits im ersten Akt.“
„Auch den Mönch habt ihr gestrichen?“
„Nicht ganz, die Rolle bleibt erhalten, nur übertrug ich sie auf einen Halbling. Für einen alten Mann wie mich wird ein Mönch letztlich immer ein Schriftgelehrter mit Tonsur bleiben!“
„Wenn ihr da mal nicht am Publikum vorbeischreibt! Der Handel mit Kara Tur hat in den vergangenen Dekaden beachtliche Größen erreicht, ein fernöstlicher Kampfkünstler an der Schwertküste mag euch neumodisch und albern erscheinen, aber gerade die jungen Leute denken sich zunehmend: Anything Goes! Aber lasst uns über den Zwerg sprechen, ihr übernehmt ihn praktisch unverändert? Er ist ein einziges wandelndes Klischee, als ob die Autorin jeden Zwergen-Stereotyp in einem Charakter vereinen wollte. Die Szene, in der er den Bart in das Bier taucht, ist schlicht lächerlich. Und was kauft er sich wohl für die große Fahrt? Richtig, ein Fass Bier! Habt ihr nicht Angst, dass sich das zwergische Publikum verspottet fühlen wird? Mein letzter Reisebericht über eine Expedition in das Unterreich brachte mir nur Ärger mit der Dunkelelfen-Antidiffamierungsliga ein und dabei war ich noch sehr bedacht und wohlwollend in der Wortwahl!“
„Ah mein alter Freund, bedenkt, dass eine Sache nur weil sie ein Klischee ist, nicht trotzdem auch wahr sein kann! Hier traue ich meinen Instinkten. Zwerge sind ein wertkonservatives Volk und werden sich sogar geschmeichelt fühlen.“
„Ihr seid der Ältere von uns beiden, es ist euer Epos und eure Entscheidung! Ich wünsche nur regelmäßig Neues von eurem Projekt zu erfahren.“
„Das werdet ihr, wenn ihr mir den Gefallen macht, erneute Einreichungen der Dame „T.“ direkt an mich weiterzuleiten.“

(Beide ab.)

View
Die Handlung verdichtet sich

Getreuer und höchst wahrheitlicher Report von Ellywick Timbers, all so, wie sich das Geschehen tatsächlich zutrug, ohne Falsch und Trug.
Unbekannter Leser wisse dies, da ich diese Worte schreibe windet sich ein, zu einem handlichen Paket verschnürter Attentäter des Drachenkultes auf dem Fußboden unseres Gasthofs. Die dumpfen Flüche aus seinem geknebelten Mund verhallen ungehört über den Dächern und treiben tonlos davon im mitternächtlichen Dunkel der Gassen. Eine Dunkelheit so lichtlos, wie die Zukunft der Schwertküste, die immer ungewisser scheint, je länger wir tatenlos in Baldurs Tor der Ankunft der Karawane mit dem namenlosen Drachenartefakt harren.
Meine schlimmsten Befürchtungen bezüglich des Tieflings haben sich Bestätigt, denn wir waren kaum in Baldurs Tor angekommen, als wir Zeugen eines politischen Attentates auf Abdel Adrian wurden, einem, wie man uns versicherte, großen Helden der Stadt. Der Täter war ebenfalls ein Tiefling und es steht außer Frage, dass Mercretia eine in unsere Reihen eingeschmuggelte Agentin ist, die uns in den Rücken gefallen wäre, falls wir gegen ihre Mitverschwörer Schwäche gezeigt hätten. Ich muss vorsichtiger handeln, denn sie scheint den Verdacht zu hegen, dass ich ihr Spiel durchschaut habe. Jedenfalls war es auffällig, dass sie versuchte, mich bei meiner geheimen Unterredung mit dem Noblen Torlin Silberschild zu beschatten. Baldurs Tor scheint in einem großen Schlamassel zu stecken, das jedoch, so bin ich mir sicher, zu einer Nebensächlichkeit werden wird, sobald erst einmal Tiamat auf die Welt zurückgekehrt ist. Jedoch wird es noch einige Tage dauern, bis die Karawane hier ist. Wahrlich, es ist die Pflicht einer Heldin des Guten, das Böse niederzustrecken, wo es sich nur zeigt. Außer dem noblen Torlin haben sich auch Ulder Rabenwacht, der Anführer der Flammenden Faust, und eine großzügige Pfandleiherin namens Rilsa Rael an uns gewandt. Sowohl Torlin als auch Ulder sind überzeugt, dass eine Organisation, genannt die Gilde, die Stadt unterwandert, wohingegen Rilsa die Gilde repräsentiert und das Übel an einem gierigen Zöllner namens Nant Tangol festmacht. Alle zusammen sind sie jedoch vollständig ahnungslos, was die Verschwörung formwandelnder Tieflinge mitten unter ihnen angeht! Tatsächlich stellte sich der zwergische Zöllner auch als zwielichtiger Zausel heraus, der gerne etwas für sich selbst abzwackte und die Gilde erwies sich als großzügige Gruppierung großstädtischer Kreditgeber. Umso erstaunlicher ist es, dass der herzliche Herzog und der markante Marshall in dieser Angelegenheit so fehlinformiert sind. Kann es sein, dass die Verschwörung der formwandelnden Tieflinge versucht, gezielt die Edlen dieser Stadt gegeneinander auszuspielen? War der feige Mord an Abdel Adrian vielleicht sogar ein Versuch, die Ordnung in dieser Stadt derart ins Wanken zu bringen, damit ein dann erfolgender Putsch größtmögliche Aussichten auf Erfolg hat? Es gibt kaum eine andere Erklärung, auch wenn mir bei dem Gedanke das Herz stockt!

-——————————————
Die Magister – Eine Komödie. Zweiter Akt. Erste Szene.
Das Turmzimmer des Magister Jorum Tollkühn in der Kerzenburg. Man trifft sich zu einer Krisensitzung.
(Eintritt Magister Maarin.)
„Mein lieber Jorum, wie ist euch zumute? Zuletzt machtet ihr einen unleidlichen Eindruck.“
„Geehrter Maarin, ich kann es nicht verhehlen, mein Projekt kommt nicht recht voran, nach dem initialen Schub scheint die Haupthandlung in den Seilen zu hängen.“
„Wie das? Kam nicht letzthin ein neuer Brief und wurde dieser nicht getreulich euch überstellt?“
„Zweifellos war dem so und mit Spannung erwartete ich mehr zu hören von Kung Fu Mönchen, Zwergen, die ihre Bärte mit Bier pflegen, und anderen argen Phantastereien. Doch was ich lesen musste raubte mir den Schlaf und nahm mir den Appetit und das lag nicht allein an den Kanonaden aus albernen Alliterationen, die sich durch das Pamphlet zogen. Wie soll ich es sagen? Es scheint, dass das, was wie ein intellektuelles Spiel begann, eine Wendung hin zum Bedrohlichen nahm….“
„Ihr versucht mir Angst zu machen mit dieser exaltierten Dramatik! Sicher kann es nicht so schlimm sein!“

(Nimmt das Manuskript des Magisters Tollkühn zur Hand.)
„Meiner treu, ich sehe warum euch so zumute ist! Herzog Abdel Adrian, gefeierter Held und Marshall der flammenden Faust. Herzog Torin Silberschild, der Hohepriester des Gond und Imbralym Skond, des Edlen rechte Hand. Ulder Rabenwacht, Stellvertretender Marshall der flammenden Faust, der schlecht beleumundete Nant Tangol und so geht es weiter in einem fort!“
„Was Rang und Namen hat in Baldurs Tor …“
„… ist in dieser Schrift versammelt und getreulich beschrieben, wie es nur ein intimer Kenner der Materie vermag!“
„Ihr seht also welch Gedankengänge mir die Kehle zuschnüren und was mich im Herzen bang werden lässt!“
„Wie könnt ich es nicht erkennen! Kann Lüge sein, wo so viel Wahres versammelt steht? Ist es nicht der intellektuellen Redlichkeit geschuldet, in Anbetracht einer solch getreulichen Darstellung der Verhältnisse in Baldurs Tor, die Skepsis gegenüber der Person der Dame T. und ihrer eher abseitigen Ausführungen fallen zu lassen?“
„Ihr spracht aus, was allein zu Denken ich kaum wagte! Es ist also wahr und wir müssen das Schlimmste annehmen: Baldurs Tor, unterwandert von einer Kabale formwandelnder Tieflinge!“
„Ein schrecklicher Gedanke, doch was ist nun zu tun? Bedenket, dass wir vielleicht die einzigen Seelen an der Schwertküste sind, die von dieser Bedrohung Kenntnis haben. Womöglich liegt unsere Informantin bereits in diesem Moment sterbend in ihrem eigenen Blute!“
„So lasst uns nicht zögern alter Knabe, wir müssen zum äußersten schreiten und beweisen wozu Gelehrte unseres Kalibers fähig sind!“
„Ihr meint?“
„Richtig! Wir werden den Praktikanten schicken!“

(Beide ab.)
-——————————————
Die Magister – Eine Komödie. Zweiter Akt. Zweite Szene.
Küstenstraße zwischen Kerzenburg und Baldurs Tor. Es dunkelt bereits, der Wind heult und peitscht den Regen vor sich her. Ein einsamer Reiter auf einem Esel.
(Eintritt Filius Primus)
„Wütet nur ihr Elemente, es wird euch kein Erfolg beschieden sein! Zu groß ist der Auftrag, zu wichtig der Ruf, der mich ereilte! Nach langen Jahren demütigender Arbeit am Schreibpult, voller Undank und Hohn. Nach endlosem dilettieren an Werken, die dem Magister zu unwürdig schienen und gerade Recht waren für einen Knecht wie mich, ist nun die Zeit der Bewährung gekommen. Betraut mit den Schlüssen der Magister Scharfsinn, reite ich nach Baldurs Tor, die Welt zu warnen!
(Reitet fort, so schnell der Esel kann)

View
Die Abenteuer des Batolomäus und seines treuen Gefährten Maurice

„,Geh nach Kerzenburg!‘ haben sie gesagt. ‚Dort lernst du viel! Über Literatur, Geschichte und auch selbst schreiben‘ haben sie gesagt. Und Maurice, was hab ich jetzt davon?“ „Iaah“ „Die schlimmsten Aufgaben übertragen sie mir. Von der Bezahlung gar nicht zu reden! Und die Spesen bekomme ich sicherlich auch nicht erstattet. Immerhin musste ich mein letztes Geld an den Toren für dich abgeb…“, bevor Bartolomäus seinen Frust weiter mit seinem treuen Gefährten Maurice teilen konnte, wurde er wüst zur Seite gestoßen. Kaum hatte er sich wieder aufgerafft musste er den zweiten Schlag einstecken und konnte sich gerade noch so an seinem Esel festhalten.

„Liu, lass den Zentharim ziehen, du bist doch jetzt auf der Seite der Hafner und musst dich jetzt nicht mehr mit dem Gesindel abgeben“, schallte eine piepsige Stimme nur wenige Meter entfernt.

„Ach, es hat doch alles keinen Sinn. Wenn ich jetzt schon hier bin, kann ich auch meine Aufgaben erfüllen.“ Bertolomäus packte das kleine Büchlein und den Stift aus, den man ihm in Kerzenburg gegeben hatte aus und begann seine Aufzeichnungen:

Anscheinend ist die Stadt nicht von Tieflingen unterwandert, sondern von Zentharim. Interessanterweise hier von glatzköpfigen Mönchen vertreten.

Am nächsten Tag streiften Bartolomäus und sein Esel Maurice weiter durch die Stadt, um Informationen zu sammeln.

Statuen wurden Hände abgeschnitten…

Offensichtlich hatten die Berichte die den Magister ereilten zumindest teilweise Recht. Irgendetwas Eigenartiges ging in Baldurs Tor vor sich.

Nachwahl des Herzogs in Zusammenhang mit Abdel Adrians Tod. Kandidaten sind Tarbav Nachthügel (aktuell stellvertretender Hauptmann der Flammenden Faust) und Wyllck Cadwell (alteingesessener Adel, laut Gerüchten einen Marionette Torlin Silberschilds)

„Nun ja Maurice, politische Machtkämpfe gehören auch hier hinzu. Nun komm, wir suchen uns eine Unterkunft.“

„Also mit nur einem Silberling bekommst du hier kein Bett und schon gar nicht mit einem Esel“, grummelte der Wirt des „Schwert und Sterne“. Genau diesen Satz hatte Bartolomäus schon etliche Male an diesem Abend gehört. Deshalb hörte er auch gar nicht mehr genau hin, sondern lauschte lieber den Gästen an der Bar: „Doch glaub es mir, in der oberen Stadt läuft eine Gnomin rum, die trägt keine Schuhe!“ Auch dies wurde in das Notizbuch geschrieben als er leicht gesenkten Kopfes das Wirtshaus verließ. Nun würden er und Maurice wieder eine Nacht unter freiem Himmel verbringen. Aber der Marktplatz wirkte eigentlich gar nicht so schlimm.

Doch nach wenigen Stunden wurden die beiden von einem lauten Streit aufgeweckt. Ein Zwerg schien sich mit ein paar Adeligen angelegt zu haben:

Streitsüchtiger Zwerg auf Marktplatz pöbelt adelige Jugendliche an. Keinen Respekt diese Zwerge. Weder vor einem offensichtlich höheren Rang, noch vor der Nachtruhe.

Bartolomäus legte das Notizbuch zur Seite, kuschelte sich an Maurice und versuchte sich wieder schlafen zu legen. Doch ein schlimmer werdender Gestank, der die ganze Stadt einhüllte, hinderte ihn am einschlafen.

Auch der neue Tag brachte Bartolomäus nicht viel weiter. Zwar konnte er in Erfahrung bringen, dass die Nachttopfentleerer streikten und deshalb die Stadt geradezu in Gestank und Unrat unterzugehen schien, aber über eine Verschwörung gestaltwandelnder Tieflinge konnte er immer noch nichts herausfinden. Genauso wenig wie über die Gnomin, die die Berichte schickte, und ihre Gefährten. So wollte sich Bartolomäus mit Maurice schon auf den Rückweg nach Kerzenburg machen, als er einen lauten Knall hörte. Also gut, dieses letzte Ereignis konnte er auch noch untersuchen. Maurice hinter sich herziehend ging er den Geräuschen nach.

Explosion mit anschließendem Feuer, das von Tiefling ausgetreten wird.

Und auf einmal wurde es ihm klar: Ein glatzköpfiger Mönch, der nicht eindeutig einer Organisation zuzuordnen war; eine anscheinend etwas verwirrte Gnomin, die in Socken durch die obere Stadt läuft; ein pöbelnder Zwerg, dessen Zustand durchaus von Bier kommen kann wenn man es auch trinkt und nicht nur den Bart hinein hängt; und zuletzt ein Tiefling. Ob diese nun der Untergrundverschwörung angehörte oder nicht, war noch nicht ganz offensichtlich. Aber Bartolomäus und Maurice hatten die Gruppe gefunden!

Neu motiviert machten sie sich auf die Verfolgung, immer Stift und Notizbuch zur Hand:

Gruppe besucht Alchemistengeschäft… Gruppe bei Glasbläser… Gruppe läuft ziellos durch die Stadt…

„Maurice, glaubst du sie wissen was sie tun?“ „Iaah“ „Ja Maurice, der Meinung bin ich auch. Sie haben keine Ahnung.“

View
Die Helden, die die Stadt verdient

„Komm schon Maurice!“, rief Bartolomäus seinem treuen Gefährten über die Schulter zu, während er ihn hinter sich durch die stinkenden Straßen von Baldurs Tor zog. Der Streik der Nachttopfentleerer musste dringend zu Ende gehen, oder die Stadt würde ein trauriges Ende nehmen. Behände sprang Bartolomäus über einen Fluss von Unrat, der sich langsam seinen Weg durch das Kopfsteinpflaster Richtung Hafen suchte. Maurice trampelte weniger elegant mitten hindurch.

Bartolomäus erreichte die nächste Kreuzung und sah sich suchend nach den vier Gestalten um, die er bis hierher verfolgt hatte. Da! Da vorne war die verrückte Gnomin. „Ach nein…“, jammerte Bartolomäus, als er in einer zweiten Gasse den Zwerg davon marschieren sah. Ein rascher Blick in die anderen Richtungen zeigte ihm, dass sich auch der Mönch und der Tiefling in andere Richtungen davon machten. Hatten diese vier noch nie von der obersten Abenteurerweiseheit gehört, die man in jedem Handbuch nachlesen konnte? „Trenne nie die Gruppe. Warum muss ich ausgerechnet auf die treffen, die sich nicht an diese Regel halten Maurice?“ – „Iah!“

Einen Tag zuvor

Jeder Agent der Harfner wäre Stolz auf Bartolomäus gewesen. Wie ein Schatten – ein Schatten mit einem Esel im Schlepptau – verfolgte er morgens die Abenteurergruppe erfolgreich quer durch die Stadt; von ihrem Quartier bis hin zu einem Gebäude nahe der Wyvernwacht. Wie er herausfand, wohnte über dem Laden „Dantalons tanzende Axt“ eine bekannte Hexenmeisterin und Alchemistin, angebliche Mitarbeiterin der Gilde und potentielle Umstürzerin des politischen Systems in Baldurs Tor. All das erfuhr Bartolomäus durch geschicktes befragen des Zwerges, dem „Dantalons tanzende Axt“ gehörte. Ein Durchbruch, auf den Bartolomäus sehr stolz war. Zumal es eigentlich so einfach gewesen war: Er musste nur angeben, dass er für die Chroniken von Kerzenburg schrieb und schon goss der zwergische Ladenbesitzer einen Schwall an Informationen über ihm aus – natürlich nicht ohne sich selbst dabei in gutem Licht dastehen zu lassen. Aber als geschickter Schreiber der Chroniken konnte Bartolomäus das sofort wieder herausfiltern und die wesentlichen Informationen extrahieren. Leider war es ihm aber nicht gelungen herauszufinden, was die Gruppe von Yssra, der Alchemistin wollte. Liebestränke? Magische Schutzzauber? Informationen über die Gilde? Planten sie etwa selbst einen Umsturz in der Stadt? Alles war möglich.

Am Abend desselben Tages gelang Bartolomäus ein noch größerer Streich, der die erfolgreiche Befragung des Zwerges verblassen ließ: Die Abenteuergruppe war auf eine der legendären Feiern von Coran, dem Abenteurer im Ruhestand und jetzigem Mitglied im Parlament der Ebenbürtigen in Baldurs Tor, eingeladen worden. Eine Feier zu der weder Bartolomäus noch der treue Maurice Zutritt besaßen. Für eine Sekunde war er, Bartolomäus, am verzweifeln gewesen, doch dann hatte er sich an eine der Geschichten des Harfneragenten Jakob Bond erinnert, die er einmal in der verbotenen Abteilung von Kerzenburg gelesen hatte. Sich als Lieferant für teures Essen ausgebend – er hing Maurice einfach nur einige mit Stroh gefüllte Säcke über Maurice – bluffte er sich verwegen seinen Weg auf das Anwesen von Coran: Eine protzige Villa, die gerade vor betuchten und sich selbst viel zu wichtig nehmenden Personen zu platzen schien. In all dem Gedränge fiel nicht einmal ein kleiner Chronist aus Kerzenburg auf. Und während ihm Maurice vom Lieferanteneingang aus den Rücken deckte, mischte er sich unters Volk.

Schon bald wurde er in verschiedene Gespräche mit Personen verstrickt die sicherlich sehr bedeutsam waren, die er aber alle nicht kannte. So erfuhr er auch von den Steuern, die der Hafenmeister eigenmächtig und ohne Rücksprache mit dem Rat erhob. Ja, er schaffte es sogar Coran und die Gruppe zu belauschen: „Ich an eurer Stelle würde ja Rabenwacht im Auge behalten“, erzählte der sonderbare Elf gerade den Abenteurern im verschwörerischem Unterton. „Der Rat mag zwar keine Erlaubnis für die Extrasteuern gegeben haben, die Flammende Faust aber sehr wohl.“ War es möglich, dass man den stellvertretenden Marshall der Flammenden Faust gegen einen gestaltwandelnden Tiefling ausgetauscht hatte? Bartolomäus machte sich eine entsprechende Notiz – und er wusste auch, wo er die Gruppe wiederfinden würde. Nachdem er sicher war, nichts wichtiges mehr zu verpassen, verließ er die Feier ebenso elegant, wie er sie betreten hatte. Vielleicht wäre ein passabler Agent aus ihm geworden, dachte er später noch bei sich, als er sich am Rande der Weite an Maurice kuschelte, die Decke über sich zog und einschlief.

Wie nicht anders zu erwarten traf er die Gruppe am nächsten Tag am Büro des Hafenmeisters. Diesmal musste sich Bartolomäus nirgendwo einschleichen – das im Haus geführte Gespräch war von einer Hitzigkeit, dass man es Problemlos auch von außen mithören konnte. Die Gruppe, allen voran der Zwerg, der immer wieder auf seinen Rang in der Flammenden Faust pochte, verlangten Einblick in das Buch des Hafenmeisters, was dieser aber vehement verweigerte. So rauschten sie schließlich unverrichteter Dinge wieder ab, nur um eine Stunde später mit einer Sondervollmacht der Flammenden Faust wiederzukommen. Anscheinend wurden sie also stark von der Flammenden Faust unterstützt – die ja, wie Bartolomäus wusste, von den Tieflingen unterwandert war…

„Hier wurden große Mengen an Joldsalz, Kohle und Drachendung importiert, Hafenmeister. Wisst Ihr denn nicht, dass dies die wichtigsten Zutaten für Rauchpulver sind?“, riss ihn die erboste Stimme der Tieflingsfrau aus den Gedanken. „Mit dieser Menge kann man halb Baldurs Tor einäschern!“ – „Was kümmert mich es, was die Leute einkaufen, solange sie die Steuern bezahlen“, brummte der Hafenmeister als Antwort, auch wenn er etwas besorgt klang. Bartolomäus machte eilig seine Notizen. So verpasste er auch fast den Anschluss an die Gruppe, die das Büro im Eilschritt verließen. Kurz stoppten sie noch an „Skands Import & Export“ – was sie dort wohl wollten? Rasch eine Notiz gemacht und mit einem großen Fragezeichen versehen – und marschierten dann stramm weiter zu Felogyr Feuerwerke. Wenigstens dieses Ziel machte für Bartolomäus Sinn. „Sie vermuten, dass der Feuerwerker einen Anschlag auf die Stadt plant“, erklärte er seinem Gehilfen. „Iah“, gab Maurice zu verstehen.

Im hier und jetzt

Unschlüssig stand Bartolomäus weiter auf der Kreuzung. Was hatten die vier bei Felogyr erfahren – oder nicht erfahren – dass sie sich plötzlich in vier so unterschiedliche Richtungen davon machten? Oder ergriffen Sie etwa die kopflose Flucht aus der Stadt? „Wem hinterher Maurice, wem?“, rief er verzweifelt. Doch da Maurice darauf keine Antwort hatte schwieg er – er war ein guter Handlanger für den zukünftigen Meisteragenten der Harfner. Rasch begann Bartolomäus zu kombinieren. Der Zwerg würde sicher nach Wyvernwacht gehen. Der Mönch sich mit irgendwelchen Zentharim für Verschwörungen treffen. Die Tieflingsfrau schlug eine Richtung ein, die sie zu Coran bringen könnte – noch einmal würde Bartomoläus wohl nicht so einfach auf das Gelände kommen. Blieb also nur die Gnomin.

Der Meisteragent – seines Zeichens ehemaliger Chronist von Kerzenburg – und sein wackerer Handlanger hatten also ein neues Ziel. Interessanterweise kehrte die angeblich auserwählte Gnomin zur Alchemistin Yssra zurück. Steckte sie etwa hinter der geplanten Zerstörung der Stadt? Bartolomäus sah zu, wie die Gnomin die Treppen nach oben stieg. „Warte hier auf mich, Maurice. Lass nicht zu, dass eine der beiden Damen verschwindet!“ – „Iah.“

Bartolomäus betrat, wie am Tag zuvor Dantalons tanzende Axt. „Ihr schon wieder…?“ – „Keine Zeit, Harfneragent im Einsatz!“, rief Bartolomäus und versuchte sich an die alten Geschichten des Meisteragenten zu erinnern, die er in Kerzenburg gelesen hatte. Ja richtig, da gab es doch was! Er schnappte sich ein Glas aus einem Regal, stellte einen Stuhl auf den Tresen, kletterte auf beide und presste dann das Glas an die Decke; sein Ohr wiederum an das Glas.

„… suchen einen Alchemisten, vielleicht könnt Ihr uns weiterhelfen“, war die Stimme der Gnomin zu hören. „Vielleicht habt ihr schon von ihm gehört. Sein Name ist Kope. Horus Kope.“ Bartolomäus lächelte zufrieden, während ihn der Besitzer des Ladens immer noch irritiert und mit großen Augen anstarrte. Das Böse hatte also einen Namen!


Nachdem ihn der Zwerg rausgeworfen hatte, suchten sich die beiden Harfneragenten eine ruhige Ecke in der Nähe der Weite um ihre Gedanken auszutauschen und ihre Informationen zu sortieren. „Wenn kein Wunder geschieht, Maurice, dann ist Baldurs Tor dem Untergang geweiht.“ – „Iah“, stimmte der Harfner-Anwärter zu. „Gestaltwandelnde Tieflinge, Zentharim, eine Prophezeiung des Weltuntergangs, Baahls Wiedergeburt, ganze Ladungen von Rauchpulver. Das sieht nicht gut aus.“ Maurce kratzte sich zustimmend am Hintern. „Zum Glück hat die Stadt ja uns.“

Vier bekannte Stimmen ließen ihn aufhorchen und um die Ecke blicken. Was für ein Zufall: Die vier möchtegern Abenteurer kamen direkt an seiner Operationsbasis vorbei. An einem unauffälligen Gebäude klopften sie, eine Tür wurde geöffnet, geheime Botschaften ausgetauscht, dann gingen sie in das Innere. „Maurice, wir haben die Basis des Bösen gefunden. Sie war direkt unter uns!“

View
Ein Teekränzchen

Oma Hilde – sie war eigentlich keine Oma, hatte nie eigene Kinder gehabt, aber alle nannten sie so – schob sich die Brille auf ihrer Nase wieder zurecht und zählt zum wiederholten Male die Maschen auf ihrer Stricknadel ab.

„Hast du das von letzter Nacht gehört, Hilde?“, fragte Oma Sigrun – ebenfalls keine Oma – im Schaukelstuhl neben ihr, während sie den schwarzen Kater kraulte, der bei ihr im Schoß schnurrte. „Das Café dieser alten Hexe, indem sich der Ost-Baldursche-Häkelclub trifft, ist letzte Nacht abgebrannt. Zusammen mit dem Laden für Bartprothesen.“

Die anderen alten Damen im Zimmer kicherten bei diesen Worten gehässig – so wie es sich für nette alte Damen, die gerade über ihrer Strickerei sitzen genau nicht gehört.

Ohne auf eine Antwort zu warten, fuhr Oma Sigrun fort: „Aber die alte Hexe wurde ja von den neuen Helden der Stadt dummerweise gerettet. Und der Zwerg auch.“

„Von so einem durchtrainierten jungen Mann würde ich mich aber auch gerne retten lassen“, krächzte die Stimme von Uroma Apostropha aus dem hintersten Winkel des Raumes. „Er ist so muskulös und athletisch. Und gelenkig.“

„Ist gut Apostropha“, murmelte Hilde ohne aufzusehen und fing abermals an ihre Maschen zu zählen. Die Nachmittage am Treffpunkt des West-Baldurschen Strickclubs waren auch nicht mehr das, was sie früher einmal waren.

„Außerdem wurde die Hexe ja nicht von dem Mönch, sondern von der kleinen verrückten Gnomin gerettet“, setzte Oma Sigrun nach.

„In meiner Jugend, da kannte ich eine Gnomin, die konnte Sachen anstellen, sag ich euch“, krächzte Uroma Apostropha sofort wieder dazwischen.

„Ist ja gut Apostropha“, ermahnte sie Hilde und zählte erneut.

„Steckt ja angeblich die Gilde hinter den Anschlägen“, ließ Sigrun nicht vom Thema ab und nahm einen Schluck aus der geblümten Teetasse auf dem Tischchen neben ihr. „Macht die Gruppierung gleich viel sympathischer. Zumal wir ja alle wissen, wie sehr diese alte Hexe für die Auflösung der Alten Stadt gewettert hat. Und von dem Zwergen sagt man, dass er seine Bärte unter unmenschlichsten Bedingungen herstellen lässt.“

Niemand ging auf diese Bemerkung ein, so dass Sigrun gezwungen war seufzend aus dem Fenster zu blicken und weiter den Kater zu streicheln. „Es sind ja wieder die alten Duellregeln in Kraft gesetzt worden“, fiel ihr dann wieder ein.

„Ich mag es ja, wenn junge Männer mit ihren langen Schwertern herum wedeln“, kam es wieder aus der Ecke – diesmal ließ sich Hilde jedoch zu keinem Kommentar hinreißen.

„Man erzählt sich, der Zwerg hätte einem jungen Adeligen bei einem Duell ordentlich den Kopf gewaschen“, plauderte Sigrun weiter. Als sie merkte, dass Uroma Apostropha wieder was dazwischen reden wollte, sprach sie gleich weiter: „Da haben sich die Helden gerade nach den Bränden erkundigt.“ So konnten die anderen Damen wenigstens vorgeben das „Zwerge können mit ihren Bärten ja Sachen machen, sag ich euch…“ nicht gehört zu haben.

„Ich finde die Gilde geht mittlerweile etwas zu weit“, mischte sich nun auch Oma Helga ein – eine der wenigen echten Omas im Club – und legte ihren Schal zur Seite. „Man munkelt ja, dass sie mittlerweile sogar die Zeitung Baldurs Mund für ihre Zwecke benutzen. Das habe ich gehört, als ich meinem Enkel bei der Flammenden Faust sein Abendessen gebracht habe. Und er hat es direkt aus dem Mund von Ulder Rabenwacht gehört.“

„Ich mag dunkelhäutige Männer. Wisst ihr was man über dunkelhäutige Männer sagt?“, fragte Apostropha aus der Dunkelheit – eine Frage die unbeantwortet im Raum stehen blieb.

„Rabenwacht hat die Helden daran angesetzt herauszufinden was dahinter steckt“, erzählte Oma Helga weiter. „Und sie konnten sich sogar bis zum geheimen Treffpunkt der Gilde vordringen. Dort haben sie dann von einer Entführung erfahren, die sie heute Morgen erfolgreich vereitelt haben. Diese Wahnsinnigen haben doch tatsächlich versucht den Sohn von Darsh Nyach zu entführen!“

„Was den süßen kleinen Jungen?“, kam es aus der Dunkelheit.

Oma Sigrun holte tief Luft um, was auch immer jetzt kam, zu unterbinden – denn das ging zu weit.

„Der holt sich bei mir immer Karamellbonbons. So ein netter Junge“, war aber Apostropha schneller.

View
Auftritt: Muleman & Maurice

Mit einem ohrenbetäubenden Schlag zerbarst die massive Tür unter der übermenschlichen Kraft von Maurice und gab den Blick auf den dahinter liegenden Keller des Bösen frei. Die darin befindlichen Schergen des Bösen, 10 Zwerge und 20 Gnome verharrten in ihren Unternehmungen, bis einer der Gnome plötzlich panisch stotternd aufschrie: „Es ist… es ist…!“

„Ja ich bin es! Und nun kommt euer Ende!“, kam es vom Helden Baldur’s Tor zurück, der in der regnerischen, sturmumtobten Nacht stand; seine hühnenhafte, elegante Gestalt wurde regelmäßig theatralisch von Lichtblitzen umzuckt wodurch das Gesindel im Keller nur seinen beeindruckenden Schatten sehen konnte.

Ohne eine Antwort abzuwarten sprang der Held in einem langen Satz in den Keller hinunter, das Bein zum Angriff nach vorne gestreckt. Für Sekunden schien er in der Luft zu stehen, während er auf sein erstes Opfer zusegelte. Ebenso lange schienen ihn die Gnome und Zwerge nur anzustarren. Doch dann traf der Fuß sein Ziel und schlug hart gegen das Gesicht eines Zwerges, der sofort bewusstlos zusammenbrach. Nun kam aber Leben in den Keller: Die Waffen der schwergerüsteten Schergen wurden gezogen, doch es war zu spät. Der Held schlug einem der Gnome das Schwert aus der Hand – es landete zielsicher im Bauch eines anderen Schergen – entriss einem weiteren Gegner seine Waffe und kämpfte mit dieser weiter. Es dauerte nicht lange, bis der Keller mit Blut bespritzt und der Boden mit Leichen bedeckt war. Nur mehr eine einzige Gnomin stand zitternd mit dem Rücken zur Wand, einen Dolch abwehrbereit gehoben:

„Wie habt ihr uns überhaupt gefunden?“ – „Ich weiß alles was in dieser Stadt vorgeht.“

Der Held warf seinem Kameraden lakonisch einen Dolch zu, welcher von diesem mit einem eleganten Fußtritts in den Körper des letzten Gnoms befördert wurde…


„So soll es sich also zugetragen haben?“, fragte Magister Jorum Tollkühn seinen Kollegen zweifelhaft, der ihm beim Lesen über die Schulter geblickt hatte. Magister Maarin zuckte ebenso zweifelhaft mit den Schultern.
„Ich weiß nicht, es kommt mir etwas sehr seltsam vor. Fast etwas dick aufgetragen. Zumal andere Berichte davon sprechen, dass vier Helden diesen Keller zur Produktion von Rauchpulver gestürmt hätten und nicht einer. Und dort war auch nur von einem Zwerg und zwei Gnomen die Rede.“

„Vielleicht hatte auch dieser andere Bericht unrecht?“, hakte Magister Tollkühn nach. Aber er klang so, als wäre er von dieser Idee selbst nicht besonders überzeugt.

„Lasst uns weiterlesen, vielleicht klärt sich das Ganze noch auf.“

Und so wandten sich beide wieder dem Schriftstück zu.


Der letzte Gegner war kaum gefallen, als der Held Bewegung in der aufgebrochenen Eingangstür wahrnahm. Mehrere gebückt gehende Gestalten mit bleicher Haut und blutunterlaufenen Augen standen dort und blickten mit offenen Mündern auf das Gemetzel.

„Im Namen der Gerechtigkeit: Stehenbleiben!“, rief der Held der Stadt den Kreaturen der Dunkelheit zu. Aber wie es sich für eben diese Kreaturen gehörte, hatten sie keinen Respekt vor der Gerechtigkeit und ergriffen schlurfend, aber nichts desto trotz mit schnellen Schritten die Flucht. Der noch namenlose Held unserer Geschichte uns sein getreuer Sidekick Maurice nahmen die Verfolgung auf. Vor dem Keller mussten die beiden jedoch feststellen, dass die Bösewichte, zusammen mit ihrem Wagen, eine Flucht durch die engen Gassen der Stadt versuchten.

Behände wie Eichhörnchen erkletterten die beiden daher über eine Dachrinne das nächste Gebäude; wie Schatten, die die Nacht durchflattern sprangen sie geräuschlos von First zu First; unsichtbare Katzen in der Nacht. Nicht lange danach holten sie die Flüchtenden ein, die ihren Wagen mühselig über das brüchige Kopfsteinpflaster einer Straße zogen.

„Ich sagte stehenbleiben!“

Völlig überrumpelt kamen die untoten Gestalten der Aufforderung tatsächlich nach und blickten ängstlich zu dem Dach hinauf, von dem die beiden Rächer der Gerechtigkeit auf sie hinabblickten. Was sie dort sahen, ließ ihnen den nicht vorhandenen Atem stocken. Die beiden Gestalten zeichneten sich als Schatten vor dem hellen Licht eines gerade passend aufgehenden Vollmondes ab, die markanten Umhänge flatterten geradezu Klischeehaft in der Nachtluft.

„Wer, wer seid ihr?“

„Ich bin MULEMAN!“, rief der nun mit Namen versehene Held in die Straße hinab.

„Iah!“, kam dann auch die Zustimmung seines getreuen grauen Gefährten.

„Untot werdet ihr uns niemals bekommen!“, kam es bockig zurück, auch wenn die Stimme vor Angst brüchig wurde. In einem letzten verzweifelten Akt griff einer der schlurfenden Untoten nach einer Flasche Rauchpulver, die zu Dutzenden auf dem Wagen lagen und zündete es.

In einem Feuerball vergingen die Kreaturen des Bösen mitsamt allen Beweisen ihres Tuns. Doch so einfach entkam man dem scharfsinnigen Verstand von Muleman nicht. Ihm war sehr wohl das Siegel der Condul Familie auf dem Wagen aufgefallen, einer bekannten Totengräberfamilie der Stadt. Er wusste, wo er weiter suchen musste.


„Muleman?“

Die Stimme von Magister Tollkühn klang nun mehr als nur zweifeln.

„Nunja, vielleicht… Eventuell…“, stotterte Magister Maarin, doch im Endeffekt war auch er um Worte verlegen und so entschied er sich zu schweigen und nahm stattdessen die Nächste Seite des Berichts zur Hand.


Unmaskiert, und damit inkognito, betrat Muleman die Geschäftsräume der Familie Condul. Eine bezaubernde junge Frau, mit goldenem lockigen Haar und erdbeerrotem Mund saß hinter einem Schreibtisch und blickte Muleman mit ihren großen blauen Augen an. Muleman ging auf sie zu und zwinkerte ihr zu. Quasi sofort wurde ihr Blick anhimmelnd – eine Reaktion die unser Held gewohnt war. Keine Frau auf Toril konnte dem Anblick seines Körpers, seinem einnehmenden Lächeln und seiner charmanten Ausstrahlung wiederstehen. Königinnen wie einfache Bauersfrauen lagen ihm Reihenweise zu Füßen.

„Ich brauche Informationen über illegale Lieferungen von Rauchpulver, welche die Familie in die obere Stadt liefert“, begann Muleman ohne Umschweife. Er war kein Mann vieler Worte.

„Natürlich“, flüsterte das hübsche Wesen und schrieb eine Adresse auf ein Stück Papier, ohne dabei den Blick vom Helden unserer Geschichte zu nehmen. Muleman bedankte sich, hauchte ihr einen Kuss auf die Wange und flüsterte ihr noch ein „Ich melde mich“, ins Ohr, bevor er ging. Hinter ihm fiel die blonde Jungfrau in Ohnmacht – eine übliche Reaktion.


„Ich habe ja nun nicht die größte Erfahrung mit Frauen, aber ich bezweifle sehr, dass es irgendein weibliches Wese gibt, welches sich so verhalten würde!“, entrüstete sich Magister Maarin. „Zumal uns ganz eindeutige Berichte durch die Flammende Faust vorlegen, nach denen es eine offizielle Durchsuchung der Räumlichkeiten gegeben hat. Und in diesem Bericht ist nicht von einer blonden Unschuld, dafür aber von erheblicher Sachbeschädigung von Seiten der Ermittler die Rede!“

„Ja, dieser Bericht wird immer unglaubwürdiger, aber jetzt können wir ihn auch fertig lesen“, wandte Magister Tollkühn ein und reichte seinem Kollegen das nächste Blatt.


Die Beweise gegen Imbralym Skond waren erdrückend. Wieder mit eselgrauer Maske versehen waren Muleman & Maurice in den Keller des angewiesenen Gebäudes eingestiegen. Von hier führte ein Geheimgang in den Keller des Oberschurken – wenn das nicht offensichtlich war! Zu guter Letzt fand er in einem hohlen Stuhlbein auch noch einen versteckten Bauplan des Parlaments der Gerechtigkeit. Mehrere strukturell wichtige Punkte waren mit markanten X-en gekennzeichnet.

„Würde man an diesen Stellen Rauchpulver zünden, würde das ganze Gebäude wie ein Kartenhaus zusammenstürzen“, schlussfolgerte Muleman, der sich in seiner Freizeit unter anderem mit moderner Architektur und Statik beschäftigte.

„Iah“, deutete Maurice auf einen auffallend roten Wecker, der auf 11:55 stand und dessen Zeiger sich unaufhaltsam der 12:00 näherten – damit gab er keineswegs die aktuelle Uhrzeit wieder, sondern schien auf ein spezielles Ereignis hinzuweisen.

Mit seinem messerscharfen Verstand kombinierte Muleman die Fakten: „Komm, wir müssen uns beeilen und das Fundament unserer jungen parlamentarisch geprägten Regierung retten.“

Mit wehenden Umhängen stürzten die beiden zum Parlament. Nur mehr wenige Minuten verblieben, bis zu diesem skandalösen Anschlag auf die Regierung.

„Evakuieren“, befahl Muleman der nächsten Wache am Parlament, welche den Befehl sofort nickend zur Kenntnis nahm und lautstark weiter leitete. Niemand zog in Zweifel, dass Muleman, der Held der Stadt, Gründe für einen solchen Befehl haben würde.

Rasch und zügig ging die Räumung des Gebäudes von sich. Nur mehr eine halbe Minute verblieb, als sich auch die letzten vor dem Parlament versammelten.

„Oh nein, seht: Ein Kätzchen!“

Muleman sah von dem Wecker auf.

Ein allgemeiner Aufschrei ging durch die Menge, die Parlamentarier zeigten auf ein Fenster im dritten Stock, auf dessen Fenstersims tatsächlich ein junges, rotgetigertes Kätzchen saß und traurig hinab miaute.

„Komm Maurice!“

Muleman schwang sich auf den Rücken seine Gefährten, der in vollem Galopp auf das Parlament zusteuerte. Kurz davor rammte Maurice seine Vorderbeine in den Boden und katapultierte seine Hinterbeine – und damit auch Muleman – in die Luft. Letzterer flog zielsicher bis hinauf auf den Fenstersims. Er ergriff die verdutzte Katze und sprang ebenso schnell und behände, wie er gekommen war wieder in die Tiefe. Hinter ihm dröhnten die Explosionen des Rauchpulvers, Feuerlanzen stießen aus den Fenstern des Parlaments. Rettung in letzter Sekunde.


„Wir wissen aus verlässlicher Quelle, dass zwar große Mengen Rauchpulver unter dem Parlament angebracht worden sind, aber es wurde rechtzeitig entschärft! Der ganze Bericht ist also eindeutig erstunken und erlogen!“, ereiferte sich Magister Maarin.

„Ihr habt wohl recht“, seufzte Meister Tollkühn. „Außerdem wissen wir ja, dass Skond nicht der Täter war, sondern Herzog Silberschild hinter dem ganzen steckte. Bessergesagt wohl die Essenz von Baahl, die sich in Silberschild festgesetzt hatte.“ Er legte den Bericht zur Seite und warf ihm noch einmal einen fast sehnsüchtigen Blick zu. „Schade. Es hätte einen schönen Bericht für unsere Sammlung abgegeben. Nun ist es wohl nur etwas, was die Praktikanten nachts heimlich lesen…“

View
Auf nach Tiefwasser

Tag 1
Die Karawane hat Baldurs Tor verlassen. Ich habe mich ihr als einfacher Reisender angeschlossen und meinen markanten Umhang und die Augenmaske tief in meinem Gepäck verborgen. So wird mich niemand erkennen. Diese Möchtegern Helden haben sich viel auffälliger unter die Karawane gemischt. Der Zwerg gibt sich als Bierverkäufer aus und die Tieflingsfrau mimt seine Leibwächterin. Der kahlköpfige Mönch ist als Wache dabei und die Gnomin aus der Prophezeiung ist eine Späherin. Unter den zahlreichen Wagen der Karawane befinden sich auch drei, welche eindeutig dem Drachenkult gehören. Bereits jetzt sondern sie sich von den anderen in der Karawane ab, indem sie niemanden gestatten auf den freien Plätzen ihrer Wägen mitzufahren. Kein Wunder: Verbirgt sich doch unter einer der Planen das geheimnisvolle Drachenartefakt.

Tag 3
Wir durchqueren die Felder der Toten nördlich von Baldurs Tor. Die Stimmung ist gedrückt und die Mitglieder der Karawane schlafen nur dank des starken Zwergenbieres. Heute wurden wir zudem von zwei Perytons angegriffen. Der Zwerg sollte etwas an seiner Tarnung arbeiten. Trotz seines gefärbten Bartes wird er bald durchschaut werden, wenn er während Kämpfen weiterhin mit Magie um sich wirft, seinen markanten Hammer schwingt und ein Schild mit dem Auge Helms benutzt.

Tag 12
Seit Tagen regnet es. Als wir heute aufwachten wuchsen Tausende von Kreischern aus dem Boden – Pilze, die normalerweise nur tief im Unterreich vorkommen. Anscheinend gedeihen sie aber auch im steten Zwielicht der Felder der Toten ganz gut. Dank der Möchtegern Helden und einiger Wachen gelang es aber eine Schneise in die Pilze zu schlagen und so die Karawane weiter zu bewegen.

Tag 15
Endlich haben wir die Felder der Toten hinter uns gelassen.

Tag 25
Heute fanden wir einen Mann, der bis zum Hals in der Straße eingegraben war. Auf seiner Stirn stand groß das Wort „Schwurbrecher“. Die meisten aus der Karawane wollten einfach weiter fahren, nur die verheißene Gnomin wollte sich damit nicht so einfach abgeben. Ist er vielleicht ein wichtiger Part der Prophezeiung? Nach seinen Worten nur jemand, der sich nicht mit einer Frau vermählen wollte, weil sie bereits verheiratet war. Wie dem auch sei: Als die Karawane weiter zog fiel Elly weit zurück. Ich gehe stark davon aus, dass sie den Mann befreit hat.

Tag 30
Halbzeit. Langsam freue ich mich darauf neue Gesichter zu sehen.

Tag 35
Bei der Durchquerung eines Waldes wurden wir heute von mehreren Riesenspinnen und einem Etterkap angegriffen. Anscheinend wollten sie an unsere leckeren Pferde. Aber wir schafften es den Angriff abzuwehren ohne eines der wertvollen Tiere zu verlieren.

Tag 40
Einige Späher haben heute eine große Herde Hirsche gesichtet. Mitten unter der Herde befand sich ein Hirsch mit goldenem Fell, weshalb sich sofort eine Jagdgemeinschaft aufmachte um ihn zu erlegen. Sein Fell muss ein Vermögen wert sein. Die Gruppe kam zwar mit jeder Menge Fleisch zurück, aber den Hirsch haben sie nicht gefunden. Dafür haben sie Elly verloren.

Nachtrag: Elly kam auf dem Hirsch, den sie Güldenhaar getauft hat, in das Lager geritten. Anscheinend ist sie mit dem Tier eine besondere Bindung eingegangen.

Tag 41
Entweder ist die Gnomin nun vollkommen übergeschnappt oder mit dem Hirsch hat es mehr auf sich, als es den Anschein hat. Immer wenn sie denkt, dass sie unbeobachtet ist redet sie mit ihm. Fast so als würde es sich bei dem Hirsch um eine Art verwunschenen Prinzen oder so handeln.

Tag 43
Die Wachen konnte heute das Gemetzel von mehreren Hobgoblins an einem einzelnen Händler verhindern. Das zeigte uns, wie vorteilhaft die gemeinsame Reise in der Karawane doch ist, auch wenn es nur sehr langsam vorangeht.

Tag 48
Heute Nacht ist einer der Kultisten beim austreten einen Abhang hinabgestürzt und tödlich verunglückt. Weder die anderen Kultisten noch ich sind 100 prozentig davon überzeugt, dass es sich um einen Unfall gehandelt hat. Dafür hat der Verunglückte in den letzten Tagen zu oft den Zwerg im Auge gehabt. Ich glaube die Helden haben ihn kaltblütig ermordet, da er drohte ihre Tarnung zu durchschauen.

Tag 50
Wir sind in Dolchfurt angekommen und haben zwei weitere Reisende aufgenommen. Einen mysteriösen Mann namens Azbarajos, der auf einem der Wagen der Kultisten Platz nahm (sehr verdächtig) und eine weitere Gnomin mit dem Namen Janna Silberschein.

Tag 52
Die Gnomin zeigt extremes Interesse an den vier Möchtegern Helden – warum eigentlich nicht an mir? – und erkundigt sich über sie bei jedem in der Karawane. Sie stellt ebenfalls Fragen bezüglich der Kultisten und ihrer Wägen.

Tag 54
Silberschein hat heute irgendetwas im Essen von Mec entdeckt, was dazu führte, dass keiner der anderen drei etwas von seinem Frühstück gegessen hat. Versucht etwa jemand die Möchtegern Helden zu töten? Sicherheitshalber habe ich mein Frühstück ebenfalls ausgelassen. Immerhin: Wenn man versucht Möchtegern Helden zu töten, könnten sie es auch bei einem echten Helden versuchen.

Nachtrag: Ich habe versucht Kontakt mit Azbarajos aufzunehmen. Viele Informationen habe ich nicht erhalten. Aber er benutzt Wörter und Redewendungen, die ich nur aus Büchern aus Thay kenne. Er wird doch nicht etwa ein Mitglied der Roten Magier sein?

Tag 55
Heute Nacht ist wieder ein Kultist ums Leben gekommen. Diesmal war es ganz offensichtlich Mord, da ihm die Kehle durchgeschnitten worden ist. Da sie sich nur wenige Freunde auf der Reise gemacht haben ist niemand wirklich daran interessiert den Mord aufzuklären. Tja: Pech gehabt. Hoffentlich hat aber niemand die Wache getötet um an das mächtige Artefakt zu kommen.

Tag 60
Wir sind endlich in Tiefwasser angekommen, wo sich die Karawane aufgelöst hat. Die drei Wagen der Kultisten sind gleich durch die ganze Stadt gefahren und haben sich am Nordtor versammelt. Meinen Informationen zufolge wollen sie entlang der Hohen Straße noch weiter nach Norden; dort wird die Straße nach Niewinter nach schweren Winterschäden repariert. Elly hat ihren Hirsch bei der Magierakademie abgegeben. War es im Ende wirklich eine verwandelte Person? Interessant ist auch, dass sich die Gruppe mit Jonna zusammengetan hat. Anscheinend gibt es mehr als nur eine Gnomin, welche für die Prophezeiung wichtig ist. Ich werde mich weiter an ihre Fersen heften und mich ebenfalls dem Straßenbautrupp nach Norden anschließen.

View
Die Geheimnisse von Nerythar

Seit wie vielen Tagen, Wochen, ja mittlerweile Monaten, grübelten Sie über diesen mysteriösen Ort nach? Niemand, weder ihre Verbündeten, noch die Gestalten, die man in den Schatten traf, wussten irgendetwas darüber. War es ein Ort, ein Landschaftsmerkmal, oder ein Codewort für etwas eigentlich viel Bekannteres?
Auf der Suche nach einer Antwort, und dabei immer den Spuren des Drachenkultes folgend, waren sie immer weiter nach Norden gereist, Ihre Heimat immer weiter hinter sich lassend. Nach dem Intermezzo in Baldurs Tor ging es weiter nach Tiefwasser, der größten und bedeutendsten Stadt von Toril, doch auch hier machte er Kult nur kurz halt und zog im Rahmen eines Arbeitertrupps weiter entlang der hohen Straße. Bestens getarnt als Söldner, mit dem Wissen ausgestattet, dass auch die roten Magier von Thay mit den Kultisten gemeinsame Sache machten und durch eine Agentin der Zentharim – eine Gnomin namens Jemna – verstärkt, gelangte die bunte Truppe so, nach einigen Zwischenfällen an das Meer des Alten Mannes – ein gigantisches, sich immer weiter ausbreitendes Sumpfgebiet, welches auch regelmäßig die hier durchführende Hohe Straße fraß. Im Auftrag von Niewinter wurde die Straße gerade repariert und anscheinend benutzte der Kult das Arbeiterlager als Verschiebestation ihres Plündergutes. Außerdem wurde der Gruppe schnell klar, dass der Aufseher des Lagers bis über beide Ohren mit den Kultisten unter einer Decke steckte.

In einer Nacht und Nebelaktion fand die Gruppe schließlich heraus, dass auch noch jede Menge Echsenmenschen involviert waren, welche das gestohlene Gold für die Kultisten durch einen unterirdischen Tunnel aus dem Lager in den Sumpf transportierten. Vielleicht hätte einer der Echsenmenschen verraten können wohin sie das Gold bringen, doch leider blieb dafür keiner lange genug am Leben. So blieb dem fünfköpfigen Team nichts anderes übrig als sich selbst auf die Spurensuche zu begeben. Elly hatte keinerlei Probleme die Spuren der Echsenmenschen durch den Sumpf zu folgen und auch nicht, einen Weg zu finden, der sie trockenen Fußes durch die Sumpflandschaft brachte – bis der Weg an einer kleinen Insel endete, auf der offensichtlich öfters Rast gemacht wurde. Hier wurde gewartet, bis die nächsten Echsenmenschen in Kanus durch den Sumpf kamen. Da man aber dazu gelernt hatte, wurde diesmal einer am Leben gelassen, der anschließend befragt werden konnte. Brechkiefer erwies sich dabei als äußerst gesprächig. Was weniger an den diplomatischen Künsten der Gruppe lag, sondern vielmehr daran, dass die Echsenmenschen weder die Kultisten, noch die Froschmenschen, welche mit ihnen zusammenarbeiten, leiden konnten. Daher brachte er die Gruppe auch nach Nerythar, einer verlassenen Burg inmitten des Sumpflandes – vergessen von der Außenwelt. Hier also hatte der Kult sein Lager aufgeschlagen. Aber warum nur?

Eine Frage darauf würde nur eine gründlich Erkundung der Burg bringen – Brechkiefer zumindest konnte sie nicht beantworten. Aber dafür konnte er etwas anderes für die Auserwählten tun, denen es bestimmt war, den Drachenkult zu stoppen: Um seinen Stamm vor den Klingen und der Magie der Gruppe zu retten wurde ihm erlaubt seine Leute aus der Burg zu holen. Auf diese Weise würden sie nicht nur fortbestehen, sondern auch den Kampf in der Burg deutlich einfacher gestalten. Um ihn noch zusätzlich zu motivieren versprach Rorgan ihm und seinem Stamm innerhalb der nächsten zwei Tage eine voll einsatzfähige Burg, die sie nach eigenem Gutdünken benutzen würden dürfen.

Soweit abgesichert und der Burg einiger fähiger Verteidiger beraubt galt es nun nur mehr herauszufinden, wie die Helden selbst in die Anlage gelangen sollten. Zum Glück verfügte Elly über ihre Flugstiefel, mit denen sie auf einen dachlosen Turm gelangte und von wo aus sie ein Seil herabließ, welches die anderen dann nach und nach hinaufklettern konnten. Von diesem Turm aus arbeitete sich die Gruppe dann kontinuierlich, meuchelnd und ganze Räume von ehemals schlafenden Truppen des Kults hinter sich lassend nach unten vor. Kaum ein Bewohner der Burg bekam die Chance aufzuwachen; den meisten wurden von Elly, Liu und Jemna im Schlaf die Kehlen durchgeschnitten. Es war ein Gemetzel.

Nur eine drachenartige Wachhunde, patroullierende Bullywugs und mehrere Gargyles stellten sich ihnen in den Weg. Gerade letztere erwiesen sich durch ihre Resistenz gegen nichtmagische Waffen jedoch als so schwierig zu töten, dass die Gruppe gezwungen war sich wieder aus Nerythar zurück zu ziehen. Ohne wirklich zusätzliches Wissen gewonnen zu haben, aber dafür mit vielen weiteren Fragen – welchen Ort im Sumpf zeigte das magische Teleskop im Observatorium? Warum besaß Azbara Jos, der Rote Magier ebenfalls ein Quartier in der Burg? Wer war der Herrscher dieser Festung? Wo befand sich das gesamte geraubte Gold? Und wie konnte Elly Tiamat vernichten, wenn dieser vermaledeite Drache nirgends hier drinnen zu finden war? Antworten darauf würde wohl nur eine weitere Expedition in die Festung des Grauens liefern.

View

I'm sorry, but we no longer support this web browser. Please upgrade your browser or install Chrome or Firefox to enjoy the full functionality of this site.