Tyrannei der Drachen

Eiskalt erwischt

Von Waltranlampen und Drachenhorten

Mit klappernden Zähnen erwachte Jemna aus dem Alptraum, der sie schon seit Monaten fast jede Nacht quälte. Seit der Zeit im Meer des bewegten Eises. Sie wickelte sich enger in die dicke Daunendecke und spähte über die Decke hinweg zum Fußende, wo immer noch die Kohlenpfanne stand, die der Wirt ihr stirnrunzelnd am Abend noch gebracht hatte. Neben ihr, auf dem Nachtkästchen, brannte vom Abend noch eine kleine Öllampe. Eine Öllampe, nicht ganz unähnlich der, mit der der Ärger auf dem Eisberg angefangen hatte…

Das Zelt, welches ihnen die unfreundlichen Bewohner von Oyaviggaton zugeteilt hatten, verdiente den Namen ebenso wenig, wie das Abendessen aus stinkendem Fisch, welches man ihnen serviert hatte. Während sich die Gruppe von dem Fisch noch recht einfach trennen konnte – ein breiter Riss im Eis verlief quer durch das Zelt, waren die Lücken in der Fellverkleidung des Zeltes schon schwerer zu kaschieren. Und nachdem die Sonne hinter dem Meer untergegangen war, wurde es rasch noch kälter, als es tagsüber schon war. Daran konnten auch Mecs kleine Feuer-Taschenspielertricks nichts ändern.

„Ich werde losgehen und die Dorfbewohner um eine Waltranlampe fragen. Egal wie unfreundlich sie uns gegenüber eingestellt sind, das können sie uns einfach nicht verwehren“, brachte Aliah, ihr Übersetzer schließlich vor und Jemna beschloss voller Übermut sich ihm anzuschließen. Dabei stellten sie fest, dass das Zelt bewacht wurde, doch schaffte es Aliah sich den Weg frei zu sprechen und so standen sie kurze Zeit später in der großen Versammlungshalle, in der gerade hektisch und laut diskutiert wurde. Bei ihrem Eintreten verstummten alle Gespräche sofort und die Köpfe aller anwesenden Eisjäger richteten sich auf sie. Vorsichtig schob sich Jemna zusammen mit Aliah durch die Menge, die zwar bereitwillig Platz machte, aber sich hinter ihnen sofort wieder schloss. Im Nachhinein war dies bereits das erste Anzeichen, dass die ganze Sache nicht gut ausgehen würde. Und so kam es dann auch: Es entbrannte ein hitziges Gespräch zwischen Aliah und dem Häuptling des Stammes – Bellender Seehund – und der Schamanin, an dessen Ende der gesamte Stamm Waffen in den Händen hielt und nur mehr das Energieschild des magischen Würfels sie vor den Speeren der Eingeborenen rettete. Aber der Schild rettete sie nicht vor dem Loch im Boden der Kammer, in welches sie samt und sonders geschoben wurden. Im Fall bekam Jemna gerade noch mit, wie die Tür zum Versammlungsraum aufgerissen wurde und ihre Kameraden hereinplatzten. Hatten die hysterischen Hilfeschreie als doch etwas gebracht.

Es dauerte nicht lange, bis sich auch die drei anderen zu ihr in die eiskalte Höhle tief im Inneren des Eisberges gesellten. Anscheinend hatten sie sich zwar erfolgreich durch die Reihen der Eisjäger geblufft (mittels eine Zaubers von Mec, der den Häuptling für kurze Zeit beeinflusst hatte), aber nun saßen sie alle hier unten fest. Ein kranker Eisjäger, der von seinem Volk aufgrund seiner Krankheit nach hier unten verbannt wurde, konnte jedoch endlich etwas Klarheit bezüglich der Situation auf diesem Eisberg bringen. Nachdem Jemna ihn davon überzeugt hatte, dass eine Kooperation für ihn die deutlich bessere Lösung wäre, erzählte er die Geschichte des weißen Drachen Arauthator, der diesen Eisberg beherrschte und die Bewohner von Oyaviggaton als seine Leibeigene hielt. Er war es auch, der Markath die Blutrote vor drei Jahren, als diese in den Ort kam, gefangen genommen hat und wahrscheinlich immer noch irgendwo im Inneren des Eisberges gefangen hält. Frohen Mutes machten sie sich also daran diese Kavernen zu erforschen um den Drachen zu finden, zu erschlagen und seinen Hort zu plündern – und natürlich Anzeichen auf den Verbleib des Drakhorns zu finden.
Sie fanden jedoch erst mal nur Eisfrösche, welche Graffiti in die Höhlenwände ritzten, Lagerräume, sich plötzlich öffnende und Mönche verschluckende Löcher im Boden und schließlich nur schuppige Trolle.

Je tiefer sie dabei in den Berg eindrangen, desto kälter wurde es. Ein eindeutiges Zeichen, dass sie auf der richtigen Spur zum Drachenhort waren. Dieser ward dann auch schnell gefunden, nur vom Drachen gab es keine Spur. Was aber auch nur daran lag, dass sie als die Helden der Schwertküste zwar jede Ecke der Höhle sorgfältig erkundeten, jedoch keine Sekunde an die höheren Bereiche der Höhle verschwendeten, von wo aus der Drache sie schon länger beobachtet haben musste. Als er schließlich den Kampf eröffnete, erwischte er die Gruppe auf jeden Fall ziemlich unvorbereitet. Rasch gelang es ihm bei Liu und bei Elly einige schwere Treffer zu landen, dafür schien ihm der Feuerball, den er von Mec um die eiskalten Ohren geschmissen bekam, kaum etwas aufzumachen. Zu allem Überfluss schien sich auch noch der Hort selbst gegen sie verschworen zu haben und eine Eiwand trennte Mec und Jemna von den beiden Nahkämpfern und dem Drachen ab. Eine Entwicklung, die Jemna – nicht, dass sie das je laut ausgesprochen hätte – ganz gut gefiel. Denn diese Wand trennte sie nicht nur vor dem Kampfgeschehen, sie gab auch gut Schutz. Und hinter diesem Schutz verborgen feuerte sie Elly an, den Drachen mit ihrem mächtigen Schwert aufzuschlitzen (wenn sie schon dauernd mit ihrer Waffe sprach und dadurch zu unglaublichen Leistungen in der Lage war, konnte man das in dieser Situation auch mal entsprechend ausnutzen).

Und tatsächlich verdrosch Elly das arme Reptil dermaßen, dass es schon nach kurzer Zeit sein Heil in der Flucht suchte, anstatt ein wenig Ehrenvolles Ende als Trophäe in einem Wohnzimmer in Tiefwasser zu nehmen. Hoffentlich um nicht so bald wieder zurück zu kommen. Nachdem dieses Problem gelöst war, konnte sich die Gruppe endlich daran machen den Hort zu plündern und fand dann nur wenig später in einer weiteren Höhle ein Zelt aus Calimshan (gibt es einen unpassendern Ort für ein Wüstennomadenzelt, als einen Eisberg?) in dem sich auch die gesuchte Markath die Rote befand.

Während die Gruppe noch mit den Zähnen klapperte, erzählte, sie wie sie hierhergekommen war, da sich das Drakhorn im Besitz des Weißen Drachen Arauthator befunden hatte. Zumindest solange bis einige mysteriöse Typen aufgetaucht waren, die es ihm abgeschwatzt hatten (könnten sich Drachenkultisten noch offensichtlicher zu erkennen geben?). Nur dank Ihres Versprechens die von Arauthator gestohlenen Bücher der Arkanen Bruderschaft zu entschlüsseln und zu übersetzen, hielt sie die letzten Jahre am Leben. So lange, bis sie von einer bunt zusammengewürfelten Gruppe aus dem Süden gerettet werden konnte.

Interessant, wozu so eine einfache Frage nach einer Waltranlampe führen konnte.

Mit diesem Gedanken schloss Jemna wieder die Augen und kuschelte sich in ihr Federbett. Nie wieder frieren, waren ihre letzten Gedanken, bevor sie wieder einschlief.

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Hunter9000

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