Tyrannei der Drachen

Der Pakt mit Talis der Weißen

Getreuer und höchst wahrheitlicher Report von Ellywick Timbers, all so, wie sich das Geschehen tatsächlich zutrug, ohne Falsch und Trug.

Unbekannter Leser wisse dies, da ich diese Worte schreibe, halte ich die schwarze Drachenmaske der gefährlichen Rezmir in den Händen. Aber seit auf der Hut, Rath Mordar konnte uns entfliehen. Lasst mich aber von Anfang an erzählen; viel ist geschehen seit meinem letzten Bericht.

Wir haben Talis die Weiße in Ihrem Gebirgsrefugium aufgespürt und konnten sie zur Rede stellen. Nun ist Gewissheit, woran ich nie den geringsten Zweifel hatte, da ich es bereits in prophetischen Visionen vorhersah. Eine mächtige Splittergruppe innerhalb des Drachenkults, der auch Rezmir angehört, will Tiamat wieder auferstehen lassen. Die Drachenkönigin und Göttin der Gier. Ein Plan, so verrucht, dass sich sogar eine Schurkin wie Talis beim Gedanken daran in die Hosen macht. Daher bot sie uns einen Pakt an. Wir sollen ihr helfen, Rezmirs Pläne zu durchkreuzen, im Gegenzug verrät sie uns, wo wir Rezmir und den Drachenhort finden. Wahrlich, es ist die Pflicht einer Heldin des Guten, das Böse niederzustrecken, wo es sich nur zeigt. Doch manchmal müssen Allianzen eingegangen werden, auch mit dem Bösen, denn im Vergleich zu Tiamats Auferstehung scheinen die untoten Drachen, die Talis erschaffen will, geradezu wie Schoßhündchen.

Mit dem Passwort für die Garnison und einer Fahne ausgestattet, machten wir uns auf den Weg zur Garnison in der Nähe des Dorfes Parnast, denn dort ist das Himmelsschloss stationiert, mit dem – wie wir von Talis erfahren hatten – der gigantische Hort des Drachenkults abtransportiert werden soll.

Wir erreichten die Garnison gerade zum rechten Augenblick, denn in der Ferne sahen wir bereits das zum Start bereite Himmelsschloss. Aber es wäre ja auch zu schön gewesen, sich auf den Pakt mit Talis verlassen zu können. Der Kapitän der Garnison Parnast witterte Verrat und griff uns an. Zu unserem Schreck begann das Schloss zu starten. Wohl wissend, dass es für mich mit meinen Flügelstiefeln ein Leichtes war, dem Schloss hinterher zu fliegen, warf ich mich in die Bresche und lenkte den Kapitän solange ab, bis meine Gefährten sich am Seil, das der kahlköpfige Mönch in letzter Minute herabgelassen hatte, an Bord des Schlosses gehievt hatten.

Als Söldner getarnt erkundeten wir die Himmelsfestung. Mein persönlicher Plan, eine Allianz mit dem Wolkengiganten einzugehen, wurde leider mehrfach abgelehnt, stattdessen entschlossen wir uns das Schloss auf eigene Faust planlos selbst zu erobern. Für diese Narretei mussten wir einen hohen Preis zahlen. Denn es dauerte nicht lange, da wurden wir von einem übermächtigen Vampir angegriffen. Der Tiefling nutzte die Gelegenheit, uns in den Rücken zu fallen und an der Seite ihrer neuen Meisterin Rorgan zu ermorden. Sie hat Rorgan auf dem Gewissen und ich habe mich zur Mittäterin gemacht, indem ich es nicht verhindert habe. Nach dem Kampf behauptete Sie sich an nichts zu erinnern und „verzaubert“ worden zu sein, doch mit dieser Geschichte kann sie höchstens den einfältigen Mönch täuschen.

Demoralisiert flüchteten wir uns in dieser dunkelsten Stunde in den Schlossberg um unsere Wunden zu pflegen. Ohne ihn bewusst gesucht zu haben stolperten wir dabei so nebenher über den Hort des Drachenkults. Zu unserem Entsetzen und zur allgemeinem völligen Überraschung wurde dieser von einem Drachen bewacht. Wer konnte dies ahnen! (Tatsächlich werden in Märchengeschichte eigentlich alle Horte (ist das das korrekte Plural (Horts?)) von Drachen bewacht, jedoch handelt es sich dabei zumeist um aufgeblasene Angebereien von Möchtegernabenteurern, wie diese Sache mit den dreizehn Zwergen und diesem Halbling). Wie gut, dass meine Ausbildung als Profiabenteurerin auch den Aufbaukurs Konversation mit Drachen umfasste. So war ich erneut in der Lage den Tag zu retten indem beschloss die Herausforderung mit dem Kochlöffel zu meistern. “Tiamat, unsere Mutter und Stärke. Wie kann ich euch dienen?”, sprach ich das überraschte Reptil an, das mit allem nur nicht mit einer legendären Gnomenheldin gerechnet hatte. In seiner vollkommenen Verwirrung blieb dem Untier nichts anderes übrig als „Hunger?“ zu stammeln. Woraufhin ich entgegnet: „Das können wir ändern, wie wäre es denn mit Zwerg? Schockgefroren im ewigen Eis und daher gut erhalten und leicht bekömmlich!“ (Ja ich habe Rorgans Leiche an den Drachen verfüttert, ich bin nicht unbedingt Stolz darauf, dass ich die Angelegenheit so regeln musste und meine aus weniger hartem Holz geschnitzten Kameraden wurden auch recht bleich vor Entsetzen, aber manchmal ist es gerade das, was eine wahrhaft epische Gnomenheldin auszeichnet: In einer ausweglosen Situation das Unaussprechliche zu tun, damit anderen dieser moralische Sturz erspart bleibt! (Man stirbt entweder als Held oder lebt lange genug, um sich dabei zuzusehen wie man selbst zum Schurken wird. (Notiz: Wer hat das noch einmal gesagt? Ist dies schon einmal passiert? Passiert es schon wieder?)) Andererseits könnte man es natürlich auch so sehen: Rorgan, der im Leben stets zu verbittert war, beging im Tode seine größte Heldentat und rettet uns vor einem Drachen, denn wäre er nicht derart schmackhaft und wohlgebaut gewesen, wären wir an seiner statt gefressen worden und dies wäre nicht nur unser Ende sondern auch das Ende unserer Queste und folglich das Ende der der Welt gewesen.)

Zuletzt hatten wir doch noch unsere Audienz bei Blagothkus, dem Wolkenriesen. Doch war er von einer Allianz gegen das Böse wenig angetan und wollte uns nicht dabei helfen, die Auferstehung des Drachengottes zu verhindern. Wer weiß, was die Kultisten dem naiven Wolkenriesen versprochen hatten. Als es zum Kampf kam, ich wusste gar nicht, welche Kräfte alles in dem kahlköpfigen Mönch stecken. In der einen Sekunde schlägt er noch mit seinen Fäusten zu, in der nächsten ist er riesig groß und von Kopf bis Fuß behaart, nimmt den Wolkenriesen in den Schwitzkasten.

Offensichtlich war es keine gute Idee gewesen, den Wolkenriesen zu töten, denn irgendwie war die Steuerung des Wolkenschiffes mit ihm verbunden und das Schloss befand sich im steten Sinkflug. Mit einem riesigen Scheppern krachte das gigantische Schiff zu Boden … doch nicht nur wir waren überrascht, auch die Kultisten befanden sich in Aufruhr. Rezmir konnten wir noch aufhalten, doch Rath Mordar entwischte uns, wie auch der Drache, der am Horizont mit kräftigen Flügelschlägen davon flog.

Haben wir mit unserer unbeabsichtigten Bruchlandung den Plan zur Wiederauferstehung Tiamats endgültig durchkreuzt? Wo wird Rath Mordar hingehen? Und was werden die nächsten Schritte des Kultes sein?

Comments

Chaos mit Email-Anhängen führten dazu, dass der Eintrag erst so spät kommt. Sorry!

Der Pakt mit Talis der Weißen
Nuuri

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